Auto- oder Menschenstadt?

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In Wörgl stehen in nächster Zukunft wieder größere Bauprojekte an, die entscheidend für die Zukunft der Stadt sein werden und über deren architektonischer Ausformulierung man schon sehr gespannt sein darf. Trotz einiger großer Bauvorhaben, die ohne Architekturwettbewerb durchgeführt wurden und die nur langweilige – um nicht zu sagen todlangweilige – Architektur hervorgebracht haben, hegen wir doch noch die Hoffnung, dass es sich diesmal zum Wohle der Stadtentwicklung ändern wird. 

In der Bahnhofstraße wird eine Lücke verbaut werden, von der es abhängen wird, ob die zentrale Einkaufsstraße doch noch eine autobefreite Flanier- und Wohlfühlstraße wird, nach der sich der Großteil der Wörgler Bevölkerung sehnt, oder eine vom Auto und einer kleinen, rückwärtsblickenden Minderheit, bestimmte Straße bleibt.

Gegenüber der Kirche wird in den nächsten Jahren ein großes Bauvorhaben gestartet, das möglicherweise das Zentrum unserer Stadt völlig neu definieren wird. Bei beiden Projekten ist äußerst wichtig, dass die Wörgler Politik die richtigen Rahmenbedingungen vorgibt und die Bürgermeisterin und der Stadtbaumeister mit Unterstützung durch das Land Tirol, zum Beispiel durch den Gestaltungsbeirat der Abteilung Bodenordnung und Dorferneuerung, die richtigen Entscheidungen trifft.

Eines der besten Instrumente für eine gute architektonische Entwicklung ist und bleibt der professionell durchgeführte Architekturwettbewerb. Nur so lässt sich das beste Projekt finden, zum Vorteil der Stadt, der Stadtbewohner und der Investoren. Den Wettbewerb scheuen nur diejenigen Architekten, deren Qualität nicht dafür ausreicht oder die begrünte Fassaden versprechen, und nur jene Bauherren, die auf innovative und kreative Ideen gerne verzichten und nur Politiker, die in einer Abhängigkeit stehen.

So könnte sich Wörgl doch noch von der Autostadt zur Menschenstadt entwickeln.

David Steinbacher

Beitrag Stadtmagazin Juni 2019. Foto: David Steinbacher