Fußgänger:Innen Verkehrsteilnehmer 2. Klasse

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Wer hat sie nicht schon mal eingeatmet, die frische Talluft an einem Freitag Nachmittag an der M4-Kreuzung? 

Dazu hat man, wenn es nach den Wörgler Entscheidungsträger*innen geht, gerade an der dortigen Kreuzung auch ausreichend Zeit. Es kommt nämlich gar nicht so selten vor, dass man – trotz Drücken des Knöpfchens für die Fußgängerampel Richtung M4 – noch eine zusätzliche Ampelphase dort stehen bleiben muss. 


Das hat natürlich auch Vorteile:

Man kann in dieser Zeit mindestens zehn E-Mails beantworten oder seinen Kindern erklären, warum das Ergebnis einer Volksbefragung nicht umgesetzt wird, obwohl sich fast 70 % der teilnehmenden Bevölkerung für etwas entschieden haben. 

Entschleunigung quasi, außer für die Autofahrer*innen, die sich angesichts der fehlenden Grünphase für Fußgänger*innen wundern und in einem stakkatoartigen Stop-and-go dann doch bei den vielen Wartenden vorbeifahren.

Die Wörgler Grünen hätten gerne eine automatische Grünphase für Fußgänger*innen eingeführt, wie sie auch beispielsweise an der Kreuzung bei der Wörgler Kirche schon seit langem gilt. Aber vielleicht möchte man uns das Schauspiel von auf den Zebrastreifenden rennenden Kindern vom Schulzentrum weiterhin gönnen, die denken, dass die Fußgängerampel gleich auf grün geschaltet wird. 


Außer Querdenker-Demos

passiert ja sonst recht wenig in der Stadt, dank Corona. Aber stattdessen wird von der Stadt darauf gepocht, dass beim M4 und so vielen anderen Stellen der „Verkehr fließen muss und Fußgänger den Verkehr nicht behindern dürfen“. Schaut man sich die Wörgler Verkehrspolitik der letzten Jahrzehnte an, sind antiquierte Aussagen wie diese nur eine logische Schlussfolgerung: PKWs und LKWs müssen rollen, Fahrradfahrer*innen und Fußgänger*innen haben das Nachsehen. Vielleicht hält doch irgendwann ein klimafreundliches Verkehrskonzept Einzug in Wörgl, dann könnte man sich den Sarkasmus sparen.