Es ist nicht genug für Alle da

Der exorbitante Bodenverbrauch – wir sprechen österreichweit von täglich 11,5 ha an produktivem Boden, der durch diverse Verbauungen verlorengeht – macht auch vor Wörgl nicht halt.

Betrachten wir zum Beispiel das Gewerbegebiet an der Nordtangente, dann wird uns schnell klar, dass schon beinahe fahrlässig mit Grund und Boden umgegangen wurde. Schaut man sich das Gebiet aus der Vogelperspektive an, hat man das Gefühl, dass mehr als die Hälfte des riesigen Areals ausschließlich dem Zweck des Parkens dient und somit hier kaum Wertschöpfung in Form kommunaler Steuereinnahmen stattfindet.

Werden Baulandwidmungen kritisch hinterfragt?

Ein sorgloser Umgang mit Grund und Boden muss nicht sein. Die Politik könnte, wenn sie nur wollte, sehr wohl Gemeinwohlinteressen vor Individualinteressen stellen. Bürgermeister:innen und Gemeinderät:innen haben es in der Hand zu entscheiden, wo und wofür gewidmet wird. Ich habe kein einziges Mal erlebt, dass größere Baulandwidmungen von der Stadtführung kritisch hinterfragt wurden oder dass man nach Alternativen gesucht hätte. In Wörgl gibt es unbebautes, gewidmetes Bauland im Überfluss und trotzdem wird immer wieder, häufig aus rein privaten Interessen, der Bodenverbrauch durch Neuwidmungen vorangetrieben.

Boden ist ein rares und kostbares Gut. Speziell in Tirol, wo wir nur eine sehr begrenzte Fläche für die Besiedlung zur Verfügung haben, müssen wir jeden Quadratmeter „zweimal umdrehen“, bevor wir ihn verbauen. Der Verbrauch muss reduziert, die Sinnhaftigkeit einer Umwidmung hinterfragt und der Nutzen für die Allgemeinheit in jeder Widmungsfrage miteinbezogen werden.

Individualinteresse vor Allgemeinwohl?

Diese Frage stellt sich aktuell auch beim WAVE-Grundstück. Wenn es nach dem Willen der Bürgermeisterin geht, schaut die Bevölkerung durch die Finger. Statt eines Schwimmbades mit Liegewiese und Beachvolleyball-Platz werden sich Gewerbetriebe ansiedeln, denn: „dieses Grundstück ist für Familien zu wertvoll“, so der Originalton der Bürgermeisterin.

Wenn wir nicht verstärkt auf Grund und Boden achten, der schließlich unsere Lebensgrundlage darstellt, werden Naherholung und Biodiversität dauerhaft schwer beeinträchtigt – mit weitreichenden Folgen für unsere Lebensqualität.

Es ist Aufgabe von Stadtpolitiker:innen, Sorge zu tragen, dass auch zukünftige Generationen einen intakten Lebensraum vorfinden.