Gemeinsam zu einer Zukunft für Wörgl

Entwickeln wir ein Leitbild, das uns einen Rahmen für richtungsweisende Entscheidungen gibt. Unsere Stadt hat Potenzial. Neben der Einbettung in eine wunderbare Landschaft, ist der im Ort vorhandene Bahnanschluss ein wesentlicher Grund für die Möglichkeit einer positiven Zukunft. Die Bahn verbindet unsere Stadt im Stundentakt klimaneutral mit Nord-, Süd-, Ost- und Westeuropa. Eine Verbindungsqualität, um die uns viele Städte Mitteleuropas (jenseits der 50.000 Einwohner:innen) beneiden, denn die Zukunft des Reisens liegt im öffentlichen Verkehr.

Einkaufszentren werden den Kampf verlieren

In Wörgl fehlt ein Angebot, das sich rund um diese fantastische Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz aufbaut. Und dieses Angebot wird wichtig sein – auch um Argumente für die Erhaltung dieser Anbindung an das internationale Verkehrsnetz zu haben, etwa für Verhandlungen mit der ÖBB. Im Moment empfangen wir unsere Gäste mit einem wenig inspirierenden Bahnhofsvorplatz und dämpfen ihre gute Stimmung sogleich mit ersten Leerständen in der unteren Bahnhofstraße. So laden wir Menschen nicht dazu ein, den Fußweg bis hinauf zur Kirche zurückzulegen. Die Entscheidung für einen Architekturwettbewerb zur Neugestaltung der Bahnhofsstraße war richtig!

Das Ergebnis aber gehört konsequent umgesetzt. Die Innenstadt vom Automobil zu befreien, ist keine Utopie. Sie ist alternativlos. Unsere Wörgler Innenstadt hat den Wettbewerb mit den beiden Einkaufszentren am Ortsrand längst verloren – so geht es den meisten Innenstädten, die mit einem Einkaufszentrum einen mit unfairen Wettbewerbsvorteilen gestärkten Konkurrenten an der Ortseinfahrt haben. Denn sitzt eine Kundin, ein Kunde im Auto, so fährt sie oder er so gut wie immer zum Einkaufszentrum. Der stete Vormarsch des Online-Handels verstärkt diesen Effekt so lange, bis irgendwann auch die Einkaufszentren ihren Kampf gegen die Online-Giganten verloren haben.

Um Händlerinnen und Händlern und ihren Familien eine Perspektive zu geben, müssen auch wir erkennen, was andernorts längst gesehen und umgesetzt wurde. Das Potenzial einer Innenstadt liegt in Qualitäten, die Parkplätze und Tiefgaragen vor den Einkaufszentren niemals bieten können: Begegnungen, Freiraum, gute Luft, kein Lärm. Die Innenstadt muss ein Bereich werden, der unser tägliches Leben in jeder Hinsicht bereichert – gewissermaßen eine öffentliche Terrasse für alle. Geschieht das nicht, ist sie binnen kürzester Zeit völlig irrelevant für unser tägliches Leben und damit wirtschaftlich tot.


Stadtbild mit hohem Wiedererkennungswert

Rund um die Wörgler Pfarrkirche stehen uns große Umwälzungen bevor. Höchst an der Zeit ist es, den Autoverkehr zwischen Wildschönauer Kreuzung und Einkaufszentrum zu entfernen. Schmutz, Feinstaub, Gestank, Gefahr – die Folgen dieses Verkehrsaufkommens werden dem Raum um unsere Pfarrkirche in keiner Weise gerecht. Die historischen Bauten im Bereich der Kirche, viele kann man auf Fotografien aus der Kaiserzeit erkennen, müssen für die weitere Entwicklung unserer Stadt von großem Wert sein! Ein Architekturwettbewerb für die Umgestaltung dieses Häuserblocks wird Unerwartetes zu Tage fördern. Denn: Kombiniert man hier sanierte Altbauten mit gekonnt gesetzten Neubauten, entsteht ein Stadtbild mit hohem Wiedererkennungswert. Eine perfekte Adresse für Gastronomie und Handel, für ein Hotel mit Kongressraum, ein Brauhaus, einen Raum für die Jugend, eine Galerie und eine vorzeigbare Stadtbibliothek. Dank des Bahnanschlusses klimaneutral aus ganz Europa erreichbar, dank umgesetzter Fußgängerzone samt revitalisierter Bahnhofstraße nur wenige angenehme Gehminuten von unserem Bahnhof entfernt.


Betriebsunfälle: Neue Musikschule und Wave

Betriebsunfälle wie die neue Musikschule dürfen nicht mehr passieren. Wir müssen lernen, die besten Lösungen, die besten Bauten für unsere Stadt zu fordern. Ein „Haus der Musik“ muss ein Fest für die Musik, die musizierenden Menschen und für den musikalischen Nachwuchs sein. Ein architektonisch mehr als fragwürdiger und zudem überteuerter Bau war hier die falsche Ansage. Von der Politik ernst genommene Architekturwettbewerbe sind ein Werkzeug, um solche Orte in inspirierende, die Jugend motivierende Orte zu verwandeln. Man bekommt unterschiedliche Lösungen vorgelegt und kann sich mit Hilfe einer Fachjury für die Beste entscheiden. Qualitätsvolle Bauten würden unsere Stadt auf lange Sicht zudem weniger kosten, weil sie sich – etwa durch geringe Kosten für Energie und Wartung – auch für ihren Werbewert durch Aufmerksamkeit aus dem Umland für die gelungene stadtplanerische Situation, immer auszahlen. Das Ergebnis einer unüberlegten Entscheidung war das Erlebnisbad Wave. Ein Bad, das ohne Wettbewerb, ohne Anspruch an Bauqualität, ohne regional abgestimmtes Nutzungskonzept, fernab von einem vernünftigen Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel, errichtet wurde. Schon vor 20 Jahren wurde die damalige Stadtregierung (Bgm. Arno Abler, ÖVP) vor den nun reichlich bekannten Folgen gewarnt: Ein schwarzes Finanzloch, in dem jahrelang unser Steuergeld versenkt wurde und letztlich der vermeintlich alternativlose Abriss. Denn es reicht nicht, unseren Kindern nur das Schwimmen beizubringen – wichtig für uns alle und vor allem für die Zukunft der heute Kleinen ist, dass sie nicht mit dem PKW von weither zum Bad gefahren werden müssen.


Wörgl hat jede Menge Potenzial

Warum entscheidet sich Wörgl nicht dazu, als erste Kleinstadt Österreichs, mutig die Autos komplett aus ihrem inneren Stadtkern zu verbannen? Wir haben alle Voraussetzungen, um zu beweisen, dass ein entscheidendes Zurückdrängen des individuellen KFZ-Verkehrs nicht europäischen Metropolen, wie etwa Kopenhagen, vorbehalten sein muss. Dort profitiert man schon heute von solchen Entscheidungen. Drei Beispiele: florierende Läden entlang der Fuß- und Radwege und an wesentlichen Plätzen, weniger Unfälle mit Kindern im Straßenverkehr, eine gesündere und zufriedenere Bevölkerung.

Denken wir unsere Stadt neu – auf Basis einer drastischen Verkehrsreduktion zwischen Zauberwinklweg und Einkaufszentrum M4. Fahren wir hier hauptsächlich mit dem Rad, gehen wir zu Fuß. Und treffen wir so per Zufall Freunde und Bekannte – anstatt einzeln im Auto sitzend aneinander vorbeizufahren. Letztlich geht es für uns gegenwärtig Erwachsene vor allem um eines: Was hinterlassen wir den heutigen Knirpsen, unseren Knirpsen? Setzen wir uns also zusammen und entwickeln wir eine mutige Vision für unsere Stadt. Ein Leitbild, das unser Wörgl zu einer Stadt macht, die das Potenzial hat, unsere Jugend, unsere Kinder und Enkelkinder in der Region zu halten.